Seelsorgeeinheit Argental

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SE Argental

Erwachsenenbildung: „Bevor ich auf der Strecke bleibe – aus tiefen Quellen Kraft schöpfen“ Vortrag am 04.04.2014

Zu diesem Vortrag haben die Verantwortlichen der Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Argental eingeladen. Viele Interessierte sind der Einladung gefolgt und lauschten den Ausführungen des Referenten Josef Epp. In einem lebendigen Vortrag ließ er seine Erfahrungen aus seiner Arbeit als Religionslehrer und Klinikseelsorger einfließen. Menschen stehen heute vor der Situation, dass die Herausforderungen größer sind, als ihre Ressourcen. Mancher geht dabei über seine Grenzen hinaus, oft ohne dass er merkt, dass seine Kräfte versiegen. Dazu müsse jeder selber rechtzeitig die notwendigen Schritte tun. Denn es sei oft schwierig, die richtigen Ratschläge zu geben. Dass achtzig Prozent der Menschen einmal in ihrem Leben an einer schweren Depression leiden, jedoch nur zwanzig Prozent davon ärztlich behandelt werden, gebe zu denken. „Gewässerschutz, Vogelschutz, Umweltschutz – für den Seelenschutz werden Sie vergeblich eine Behörde finden“, sagte Josef Epp. Man müsse selbst für die eigene Seele Verantwortung tragen. „Fangen Sie heute damit an“, forderte er seine begeisterte Zuhörerschaft auf.

Wie – das zeigte er anhand der Bibel und drei Symbolen, darunter eine Pralinenschachtel, das Posiealbum seiner verstorbenen Frau und eine Muschel, auf. Epp riss seine Zuhörerschaft mit, in dem er auch viel Persönliches einfließen ließ. Etwa wie er selbst nach dem frühen Tod seiner Frau das Leben mit drei kleinen Kindern – darunter eine schwerbehinderte Tochter – in den Griff kriegen musste. Aus seiner Arbeit als Klinikseelsorger weiß er, dass Krankheiten eine Zäsur im Leben mit sich bringen – eine Diagnose bedeute, dass alles anders wird. Auch müsse sich der Mensch eingestehen, dass der Körper nicht auf eine unbegrenzte Laufzeit ausgerichtet sei. Die Zeit zerrinne und das koste viel Kraft. Die Körpersignale könnten allzu leicht übersehen werden, ohne Rücksicht auf Verluste würde gerodet und „die Seele versengt wie Gras“.

Epp führte hier den Psalm 102 an, in dem all die Symptome einer Depression und die Vernachlässigung der Grundbedürfnisse genannt würden. Zwar könne man gewisse Dinge nicht erzwingen – Epp nannte hier das Verlieben in eine bestimmte Person und das Finden zum Glauben – doch sei es durchaus möglich, Ermutigung aus biblischen Quellen finden. Stets solle man sich bewusst machen, dass jeder Mensch einmalig und ein Gedanke Gottes ist. „Der Mensch ist einmalig genial“ Dass ich lebe, verdanke ich der liebenden Zuwendung Gottes ohne Verdienst und Vorleistung. Wir sollten zu uns kommen, aber wir treffen uns oft nicht an.  Den eigenen Anblick in der Frühe nach dem Aufstehen im Badezimmerspiegel zu ertragen, sei oft keine leichte Übung. Häufig stünde der Mensch neben sich. Die erste Übung sei die Selbstwertschätzung. „Bejahen Sie den Tag“, riet Epp – „Du bist ein guter Gedanke Gottes“ solle man sich täglich in Erinnerung rufen. Dazu gehöre auch, sich selbst etwas Gutes zu tun wie ein Glas Rotwein am Abend oder die Praline. Wer nicht genießt, wird ungenießbar. Dabei sollte man nur auf das verzichten was überflüssig ist. „Es gibt kein Rezept dafür – Jeder muss selbst herausfinden, was ihm gut tut“. Dabei ist auch Dankbarkeit wichtig.

Das Poesiealbum seiner Frau zeigte Epp als Sinnbild für stabile Beziehungen und legte den Anwesenden ans Herz, diese bewusst zu pflegen. Jedem ist im Leben ein „Du“ geschenkt. Sei es der Ehepartner oder auch andere Menschen. Nach dem Tod seiner Frau habe er das Kochen gelernt, Besuche eingeladen und sich Zeit für Gespräche mit seinen heute erwachsenen Kindern genommen. Es entstehe eine tiefe Kraftquelle, wenn Menschen Gespräche beginnen, sich öffnen und sich füreinander interessieren. Als letzte Kraftquelle empfahl Epp, das Leben beim Nachdenken in der Stille zu erspüren und verdeutlichte dies mit der Muschel, dem Sinnbild der Jakobspilger. „Leben kann man nur vorwärts, verstehen kann man es nur rückwärts“ – mit diesem Zitat des dänischen Philosophen Kierkegaard erklärte Epp, dass sich immer wieder Sinnspuren ergeben. Das Leben ist schön. Es ist aber nie alles im Leben in Ordnung. Wir müssen täglich neue Erfahrungen machen. Die bereits gemachten Erfahrungen können wir nicht konservieren. Es treten immer wieder veränderte Lebenssituationen ein, in denen wir Gott und den Sinn im Leben neu suchen müssen. Diese zu erkennen, sei jedoch ein Lernprozess.

Am Ende des Vortrages gab uns der Referent die Empfehlung mit auf den Weg ab morgen damit zu beginnen täglich uns einen „Kurzurlaub“ zu gönnen um die Lebensfreude zu entdecken, Beziehungen zu pflegen. Den Sinn des Lebens selbst erspüren ist die dritte Quelle, aus der Kraft geschöpft werden kann. Das heißt über den Sinn des Lebens eine kurze Zeit nachdenken und Stille bewahren. Wenn wir diese Dinge pflegen, dann bleiben wir nicht auf der Strecke. Die Ausführungen wurden mit lang anhaltendem Beifall belohnt, bevor die Zuhörer erfüllt vom Gehörten und mit dem ein oder anderen gekauften Buch des Referenten nach Hause gingen.

Text und Bilder: Roswitha Bentele

 

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