Neukirch

Seelsorgeeinheit Argental

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Neukirch

Pfarreigeschichte

Aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Neukirch

Wenn man in alten Chroniken und vergilbten Aufzeichnungen blättert, um nach Anhaltspunkten zur Entstehung der Pfarrgemeinde Neukirch zu suchen, fallen eine Vielfalt von Daten und Fakten auf, die als Zeichen einer interessanten geschichtlichen Entwicklung gewertet werden können. Da jedoch urkundliche Nachweise weithin fehlen, kann diese Abhandlung nur ein bescheidener Versuch sein, die geschichtliche Entwicklung aufzuhellen, um einer Ein- und Zuordnung vorhandener Erkenntnisse gerecht zu werden.

Ums Jahr 260 eroberten die Alemannen das bisher von den R√∂mern seit dem Jahr 15 unter Tiberius besetzte Land vom Nordufer des Bodensees bis zur Schussen und √∂stlich bis an die Laiblach im Raum Bregenz. Erst um das Jahr 746, als die Franken das Land der Alemannen erobert und die fr√§nkische Verfassung eingef√ľhrt haben, kam es zur Bildung des „Argengaues“ und damit auch zu einer Erstbesiedelung unseres Raumes. Die fr√§nkischen K√∂nige setzten sogenannte „Gaugrafen“ als ihre Vertreter zur Verwaltung des Landes ein. Diese wiederum gaben ihre Rechte im 8. und 9. Jahrhundert an die „K√∂nigsfreien“, das waren meist altgediente Soldaten aus denen sich in sp√§teren Jahrhunderten die Ritter des Mittelalters entwickelten, weiter. Diese Erstbesiedelung im Argengau ist wohl auch die Ansiedelung Neukirch zuzuordnen, obwohl nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden kann,¬†ob der im Jahre 837 genannte Kirchort „Sconinperac“ (Sch√∂nenberg) mit der sp√§teren Ansiedlung Neukirch identisch ist. Die Vermutung spricht jedoch daf√ľr, weil in einer im Kloster St. Gallen verwahrten Urkunde vom 09.08.837 (in lateinischem Text) „ein Prister Meginbreth in Anwesenheit von 25 Zeugen seinen ganzen Besitz zu Sconinperac (Sch√∂nenberg) an das Kloster St. Gallen √ľbertr√§gt“ und bis heute von den Geschichtsforschern kein Ort „Sconinperac“ (Sch√∂nenberg) im ganzen Argengau ausfindig gemacht werden konnte. Auch die archeologischen Untersuchungen in der alten Pfarrkirche St. Silvester, die vom 22.01.bis 09.03.1979 durch das Landesdenkmalamt Baden-W√ľrttemberg, best√§tigen die Vermutung, dass eine fr√ľhmittelalterliche Holzkirche bestanden hat. Auf den folgenden Bericht von Konservator Schmidt darf besonders hingewiesen werden. Schlie√ülich kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die fr√ľhchristliche Kirche schon zum Gewand „Kirchb√ľhl“ geh√∂rt hat. Urkundlich erw√§hnt finden wir den Ortsnamen „Neukirch“ erstmals in einer Urkunde vom 06.01.1122, die im Kloster Allerheiligen in Schaffhausen (Schweiz) verwahrt wurde und zwar unter dem Namen „Niwenchilichun“. Nach dieser Urkunde stiftete Ritter Arnold und seine Gemahlin Juncela die Zelle Hiltensweiler dem Kloster Allerheiligen. Hierbei wirkte u.a. ein „Ruothart de Niwenchilichun“, ein Heremannus und sein Bruder Ruodolfus de Langense“ und ein Heribortus und sein Bruder Adalberto de Berenriet“, sowie ein „Werner de Flunova“ mit. Im Jahre 1150 entdeckt man den Namen „Nuwenkirchen“ in einer G√ľterbeschreibung des Klosters Allerheiligen. Dort ist erw√§hnt, dass im Jahre 1112 ein „Conrat zu Nuwenkirchen“ gelebt hat, von dem das Kloster ums Jahr 1100 Grundbesitz erworben hat. Ums Jahr 1200 wird sodann von einem „Pleban cuno von Neukirch“ (einem Volkspriester) berichtet, , der dem Kloster Weissenau einen Hof √ľbertrug, den ihm ein Ritter „Friedrich von Baumgarten“ abwarb.

Bei den zur Verf√ľgung stehenden wenigen Urkunden h√§ngt es vom reinen Zufall ab, wenn eine in unserer Gegend vor dem Jahre 1275 ausdr√ľcklich genannt wird. Tats√§chliche Nennungen lassen deshalb auch keine genauen R√ľckschl√ľsse √ľber die wirkliche Zeit¬†der Gr√ľndung einer Pfarrei oder den Bau einer Kirche zu. Ebenso wenig ist feststellbar, auf welche Inititative die Gr√ľndung unserer Pfarrei selbst zur√ľckgeht. Sicher ist nur die Zugeh√∂rigkeit der Pfarrei Neukirch zur Di√∂zese Konstanz.¬† Dies entnehmen wir aus einer √úbersicht des Konstanzer „Liber-decimationis“ von 1275 (Zehntregister), welches ausweist, dass zum Dekanat Ebratshofen (sp√§ter Lindau) nachstehende Pfarreien geh√∂rt haben: Neukirch, Wildpoltsweiler, Goppertsweiler, Haslach, Hiltensweiler, Primisweiler, Tannau, Eisenbach, Krumbach und Langenargen. Besonders gut m√ľssen die Einnahmen dieser Pfarreien allerdings nicht gewesen sein, denn sie erreichten die unterste Steuergrenze nicht und waren deshalb steuerfrei. Aus dem bisch√∂flichen „Liber-taxationis evoleriarum et benefiorium diveori Constanoiesnsi“ (eine Art Geb√ľhrenverzeichnis) von 1353 wissen wir vom Bestehen der Pfarrei Neukirch zu welcher ca. 20 Anwesen geh√∂rt haben sollen. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass der Anlegung des „Liber-taxationis“ von 1353 die schwere Heimsuchung durch die Pest vorangegangen war, der Teile der Bev√∂lkerung (oft bis zu einem Drittel) zum Opfer fielen. 1389 kam der Ort Neukirch dann an das Spital Lindau. Eine interessante Entdeckung konnte aber in der Pfarrchronik des Jahres 1914 entdeckt werden: Als der Marienalter anl√§√ülich der durchgreifenden Renovation abgebrochen wurde, fand man im Sepulcrum ein Glas mit Reliquien und dem Sigel des Weihbischofs Georgius Sigimundus M√ľller Episcpus Heliopolitanus, der von 1655 bis 1686 in Konstanz gewirkt hat und in dieser Zeit (vermutlich um 1665) die Kirche und den Altar in Neukirch geweiht hat.

In den nachfolgenden Zeitabschnitten geh√∂rte Neukirch zur Grafschaft Monfort, welche durch fortw√§hrende Teilungen immer¬† mehr abgeschw√§cht wurde. Mit Graf¬† Ulrich starb 1574 die Tettnang Linie der Grafen von Montfort aus. Ihr folgte nach langen Prozessen die Bregenzer Linie der Grafen von Montfort, denen aber nicht mehr Gl√ľck und Erfolg beschieden war. Die Folgen des 30j√§hrigen Krieges machten sich finanziell bemerkbar, eine Hungersnot trat ein¬†und wiederum w√ľtete die Pest. Nach dem 30j√§hrigen Kriege war das Montfortsche Gebiet so zerst√∂rt, dass der Chronist vermerkte „es sey in dem ganzen Schw√§bischen Krays kam ein Orth √ľbler verderbt worden“.

Die Grafen von Montfort mussten dann im Laufe der Zeit einen gro√üen Teil der urspr√ľnglichen Grafschaft verkaufen. Zu Beginn des 18. Jahrhundert bestand sie nur noch aus drei Herrschaften: Tettnang, Argen und Schomburg. Die Herrschaft Tettnang war Reichslehen und umfasste nur noch die Stadt Tettnang, das Landwaiblelamt, das Montfortsche Amt Neukirch (seit 1550), das Kloster Langnau und das Amt Hemigkofen (Kressbronn). DieVerschuldung des Montfortschen Geschlechts wurde immer gr√∂√üer, bedingt durch den Wiederaufbau des am 11.11.1753 durch Brand vernichteten Neuen Schl0sses in Tettnang, so dass dem Grafen Franz Xaver und seinem Bruder Anton IV. nichts andere √ľbrig blieb, als alle drei Herrschaften am 14.08.1779 an √Ėsterreich zu verkaufen. Schon kurz darauf, am 24.03.1780, starb Graf Franz Xaver. Mit dem Tode seines Bruder Graf Anton am 03.12.1787 erl√∂schte auch das Geschlecht der Tettnanger Grafen von Montfort. √Ėsterreich vereinigte die drei Montfortschen Herrschaften zusammen mit der Herrschaft Wasserburg, welche es 1755 von den Fuggern gekauft hatte, zum Oberamt Tettnang. Nach dem Pre√üburger Frieden vom 26.12.1805 wurde die Herrschaft Tettnang mit Wasserburg an Bayern zugesprochen. Da auch die Reichsstadt Buchhorn im Jahre 1802 an Bayern fiel, wurde sie zusammen mit der Herrschaft Argen zum „Bayerischen Landgericht Tettnang“ vereinigt. Nur f√ľnf Jahre dauerte die Zugeh√∂rigkeit zu Bayern. Durch den Pariser Vertrag von 18.05.1810 fiel die Grafschaft an W√ľrttemberg. Dieses errichtete das Oberamt Tettnang mit zwei St√§dten und 12 Gemeinden (Schultheissereien), unter denen sich auch Neukirch und Flunau befanden. Mit der Bildung der Di√∂zese Rottenburg im Jahre 1828 erfolgte die Losl√∂sung der jahrhundertealten Zugeh√∂rigkeit zum Bistum Konstanz.

Als im Jahre 1937 die Zahl der Gemeinden im Kreis Tettnang reduziert wurde, entstand die neue Gemeinde Neukirch mit 32 Wohnpl√§tzen und 1719 Einwohnern. Sie gliedert sich in die Pfarrgemeinden Neukirch, Wildpoltsweiler und Goppertsweiler; drei weitere Wohnpl√§tze geh√∂ren zur Pfarrgemeinde¬† Haslach und Krumbach. Zur Pfarrgemeinde Neukirch geh√∂ren die Wohnpl√§tze Bechenh√ľtten, Bernried, Flunau, Hinterressach, Landolz, Mehetsweiler, Neuhaus, Neukirch, Reisenbronn, Sackweiher, Unterlangensee (Ost) und Vorderessach.

Bei der Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Tettnang aufgelöst und mit Teilen des Kreises Überlingen ab 01.01.1973 zum neuen Bodenseekreis mit dem Kreissitz in Friedrichshafen vereinigt.

Die Gemeinde Neukirch konnt in der hierauf folgenden Gemeindereform ihre politische Selbstst√§ndigkeit erhalten. Die fr√ľhere einseitige b√§uerliche Struktur wurde durch die Ansiedelung zweier Industriebetriebe und gezielter F√∂rderung des Fremdenverkehrs verbreitert. So stellt die Gemeinde Neukirch 1980 ein bl√ľhendes Gemeinwesen dar und hatte im Jahr 1979 durch intensive Baut√§tigkeit die 2000 – Einwohnergrenze √ľberschritten.¬†

Die alte Pfarrkirche St. Silvester von Neukirch

Vor der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin stand bis 1979 die alte Pfarrkirche St. Silvester. Die Pfarrkirche war dem heiligen Papst Silvester (314-335) geweiht. Weshalb gerade er Kirchpatron wurde, ist bislang nicht bekannt.

Inmitten des alten Friedhofes gelegen, von Pfarrhaus, Kaplaneihaus umgeben und in n√§chster Nachbarschaft zu Rathaus und Schule gelegen, stand gleichsam¬† als dominierender Mittelpunkt die Pfarrkirche St. Silvester. An das etwas niedrigere Kirchenschiff in rechteckiger √§u√üerer Form, schloss sich der eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor, dessen Achse erheblich nach S√ľden abgewichen ist, an. An der Nordseite des Schiffes war der verh√§ltnism√§√üig hohe Kirchturm angebaut, der gleichsam wie ein Fingerzeig Gottes das Dorfbild pr√§gte. Der Turm war sehchs Gescho√üzonen und weisst schmale rundbogige, wahrscheinlich aus der sp√§tromanischen Zeit stammende Luken und vier rundbogige, barocke Schall√∂ffnungen auf. Zum Chor f√ľhrt eine kleine Rundbogent√ľr aus dem Turmerdgescho√ü mit Tonnengew√∂lbe und d√ľrfte in fr√ľheren Jahrhunderten als Sakristei gedient haben. Das Kirchenschiff wurde von einer flachen Decke √ľber Hohlkehlen abgeschlossen. Auf der Ostseite des Schiffes schlo√ü sich der tonnengew√∂lbte Chor mit einer Rundbogen√∂ffnung an, der seit 1958 nur noch um eine Stufe (gegen√ľber dem Schiff) erh√∂ht war. Von zwei Holzs√§ulen gest√ľtz, befand sich im Westteil des Schiffes die Orgelempore, deren klassizistische Br√ľstung den Orgelprospekt, der im Jahre 1914 nru beschafften Orgel von den Gebr√ľdern Sp√§th in Ennetach, mit 12 Registern, mit einbezog. Das Kirchenschiff hatte an den L√§ngsw√§nden f√ľnf flachbogige Fenster und je eine Eingangst√ľre. Der Haupteingang befand sich unter einem Vordach an der Westseite der Kirche. √úber dem Eingang befanden sich zwei kleine, hochelliptische Fenster, ein gleiches auch im Giebel. Das Innere und das √Ąu√üere der Kirche wurden mehrfach restauriert. Nach der Barockisierung des Innenraumes im Jahre 1750 k√∂nnen die Renovationen der Jahre 1865, 1914, 1947 und 1958 als die bedeutendsten angesehen werden. Sie sind ein Zeichen daf√ľr, dass es sich die Pfarrangeh√∂rigen immer wieder zur Aufgabe gemacht haben, das Gotteshaus in w√ľrdigem Zustand zu erhalten.

Nach diesen Ausf√ľhrungen zum Bauk√∂rper der Kirche, sol auch deren Ausstattung beschrieben werden. Dies ist vor allem¬†auch deshalb notwendig, weil in den bisherigen Ver√∂ffentlichungen und Beschreibungen teilweis auseinandergehende Meinungen √ľber deren Herkunft und Bedeutung, vor allem der Gem√§lde vertreten wurde. Im einzelnen ist folgendes festzustellen:

1. Hochalter:¬† Der Hochalter wurde 1865 von Kunstmaler Egger aus Vogt unter Verwendung √§lterer Teile zusammengestellt. Egger hat im selben jahr auch die Kirchendecke renoviert. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Hochaltar wieder das fr√ľhere ¬†Altarbild „Maria Rosenkranzk√∂nigin“, welches im Jahr 1780 von Andreas Brugger gemalt wurde. Kunstmaler Brugger hat in unserer Gegend in verschiedenen Schl√∂ssern und Kirchen, so u.a. auch in den Kl√∂stern Weissenau und Salem, in der Stiftskirche in Buchau und im Neuen Schlo√ü in Tettnang gearbeitet. Er war ein Sch√ľler des ber√ľhmten Sp√§tbarockmalers Franz Anton Maulbertsch.Bisher gab es verschiedene Ansichten dar√ľber, welche aszetische M√∂nchsgestalt auf dem Rosenkranzbild dargestellt ist. Nach jetzigen Erkenntnissen handelt es sich um den hl. Kajetan von Tiene (1480-1547) dem Gr√ľnder des Theatinerordens (1524).

Er war ein gl√ľhender Marienverehrer, Prediger und Seelsorger, der Klerus und Volk eindringlich zu einer religi√∂s-sittlichen Erneuerung aufrief. Die Erkenntnis, dass es sich um den heiligen Kajetan handelt, beruht in erster Linie auf der aus dem Jahr 1719 stammenden Urkunde √ľber die Stiftung einer „ewigen Bruderschaftskaplaneipfr√ľnde“ in Neukirch durch Graf Anton von Montfort und seiner Gemahlin Maria Anna geb. Gr√§fin von Thum. In dieser Urkunde wurde der Inhaber der Kaplaneistelle verpflichtet, w√∂chtentlich zwei heilige Messen zu lesen und zwar zu Ehren der Unbefleckten Empf√§ngnis Mariens und des heiligen Kajetan. Der Kaplan wurde au√üerdem angewiesen, die „Bruderschaft des himmelblauen Skapuliers“ (Bestandteil der Ordensbekleidung) zu erhalten und zu f√∂rdern. Die Stiftungsunkunde befindet sich¬† heute noch im Pfarramt Neukirch und tr√§gt als Best√§tigung¬† der Stiftung das Siegel des Bischofs von Konstanz vom 16.01.1720. Das Hochaltarbild wurde mehrfach ausgewechselt. Seit der Renovation 1947 befand sich am Hochaltar das von Kunstmaler August Braun in Wangen gemalte Altarbild mit der Darstellung von Jesus Christus, der Gottesmutter mit Kind, dem hl. Papst Silvester und der oberschw√§bischen Seligen Guten Beth.

2. Linker Seitenaltar (Marienaltar): Auch dieser Seitenaltar wurde 1865 von Kunstmaler Egger restauriert. Wertvollster Teil diese Nebenaltars war das Altarblatt „Verherrlichung Mariens“, welch im Schrifttum immer wieder mit dem Zusatz¬† „durch den seligen Johann von Montfort“ versehen war. Es wurde 1718 von dem Barockmaler Johann Gabriel Roth gemalt. Er hat bedeutende Werke im Kisslegger Schl0√ü um im Kloster Weissenau geschaffen. Die Annahme, dass es sich um den „seligen Johann von Montfort“ handelt, ist wohl darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass in der untersten Ecke des Gem√§ldes das Wappenbild der Grafen von Montfort angebracht war. Das Wappen deutet aber sicher¬† auf die Stiftung des Altars durch Graf Anton von¬† Montfort und seiner Gemahlin Maria geb. Thum, anl√§√ülich der Errichtung der Kaplaneistelle im Jahre 1719 hin, dessen Altarblatt die „Verherrlichung Mariens“ darstellte. √úbrigens hat Kunstmaler Brugger den sel. Johannes von Montfort im Jahre 1770 in der Schlo√ükapelle in Tettnang als „Kreuzfahrer in voller R√ľstung, hoch zu Ro√ü“ gemalt. Das neu restaurierte Altarblatt sollte vielmehr folgende Bezeichnung erhalten: “ Verherrlichung Mariens durch den hl. Kajetan von Tiene und √úbergabe des blauen Skapuliers von der unbefleckten Empf√§ngnis Mariens an die selige Ursula Benincasa von Neapel“.

Die seelige Ursula Benincasa (1547-1618) hat den Orden der Theatinerinnen und der Theatinereinsiedlerinnen zu Ehren der Unbefleckten Empf√§ngnis Mariens gegr√ľndet. Das himmelblaue Skapulier wurd den beiden Orden in den Jahren 1691 und 1710 kirchlich approbiert. √úbrigens soll ihr auf nach Aufzeichnungen in der alten Pfarrchronik von Neukirch die Mutter Gottes erschienen sein und ihr dabei das blaue Skapulier √ľbergeben haben. Wie bereits erw√§hnt, bestand in Neukirch in der Tat eine „Skapulierbruderschaft des himmelblauen Skapuliers“ und die Pfarrchronik weiss zu berichten, dass sogar der damalige Abt des Klosters Weissenau in diese Bruderschaft neben anderen Adeligen, Klosterfrauen und Patres, aufgenommen wurde.

Etwa hundert Jahre nach Gr√ľndung¬† der Skapulierbruderschaft wurde an deren Stelle im Jahre 1681 die „Rosenkranzbruderschaft“ errichtet. Hierbei soll nach Aufzeichnungen in der Pfarrchronik „√ľber dieses Gem√§lde ein neues auf Leinwand aufgezogen worden sein, die Unbefleckte Jungfrau und Rosenkranzk√∂nigin darstellend mit den Bildern der drei Rosenkr√§nze, welches im Chor angebracht war“. Unzweifelhaft handelt es sich hier um das Altarblatt des Hochaltars „Maria Rosenkranzk√∂nigin“ aus dem Jahre 1780, das sp√§ter wieder abgel√∂st und restauriert wurde. Das Altarblatt des linken Nebenaltars „Verherrlichung Mariens“ wurde anl√§√ülich einer anderen Restaurierung¬† teilweise √ľbermalt, die erst jetzt entdeckt und wieder beseitigt wurde, so dass das Gem√§lde seine urspr√ľngliche Fassung wieder erhalten hat.

3. Rechter Seitenaltar (Sebastiansaltar): Dieser Seiutenaltar wurde ebenfalls von Kunstmaler Egger anno 1865 erneuert. Das Altarbild stellt in verkr√∂pftem Halbkreisbogen den heiligen Sebastian dar und stammt aus dem fr√ľhen 19. Jahrhundert. Es war nicht feststellbar, welcher K√ľnstler dieses Gem√§lde geschaffen hat.

4. Kanzel: Die neue Kanzel wurde 1865 anläßlich der großen Kirchenrenovation vom seinerzeitigen Pfarrer Carl Molitor gestiftet und ebenfalls vom Kunstmaler Egger gefertigt. Das sie krönende Engelskind stammte aus 1.Hälfte des 18. Jahrhunderts.

5. Gest√ľhl und Beichtstuhl:¬† Beides stammen aus dem 18. und 19 Jahrhundert.

6. Holzbildwerke: Die alte Pfarrkirche St. Silvester war reich an Bildhauer-Arbeiten. Sie wurden alle restauriert und werden in der neuen Kirche wieder aufgestellt, da es auch in unserer Zeit mehr als notwendig ist, Alt-Ehrw√ľrdiges zu bewahren. Es handelt sich um alte Werke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum 18. Jahrhundert, ausgenommen die Figur des heiligen Mauritius, die aus der Zeit der letzten Kirchenrenovation stammt. Im einzelene befanden sich am Hochaltar: Hl. Josef und hl. Johannes der T√§ufer; am Marienaltar: Hl Mauritius und hl. Florian und am Sebastiansaltar: Hl Agatha und hl Katharina. Auch die weiteren wertvollen Holzbildwerken sind vorhanden und schm√ľcken auch den neuen Kirchenraum: Barockmadonna mit Jesuskind, Krone, Zepter Muttergottes inm Strahlenkranz, Schmerzensmutter, Hl. Nepomuk, Hl. Antonius, Hl. Wendelin, Chorbogenkreuz, Standkruzifix und hl Maria Magdalena. Auch diese Arbeiten stammen weitgehend aus dem 17. und 18 Jahrhundert, mit Ausnahme der Statuen des hl. Antonius und des hl. Wendelin, welche neueren Ursprungs sind. Eine Ausnahme bildet die Bildhauerarbeit der „Schmerzensmutter“. Sie ist ein bisher unentdeckt gebliebenes Werk, vermutlich aus dem Jahre 1500, von hohem k√ľnstlerischem Wert, beeindruckender Sch√∂nheit und Ausdruckskraft.

Diese Abhandlung w√§re unvollst√§ndig, wenn hier nicht noch auf einige besonders wertvolle kirchliche Gegenst√§nde hingewiesen w√ľrde:

Strahlenmonstranz (aus Kupfer): vergoldet, 66 cm hoch, mit auf dem Fuß aufgesetzten Engelsköpfen. Vor dem Strahlenkranz ist ein weiß-silberner Akanthus mnit den Reliefs der Großmutter und zweier Heiliger angebracht. Die Monstranz stammt aus dem Jahre 1700.

Strahlenmonstranz (aus Kupfer): vergoldet, 64 cm hoch. Schlicht und einfach, aus dem Jahre 1800 stammend.

Silberkelch: teilvergoldet mit Rocailleschmuck hergestellt. Der Kelch tr√§gt die Meistermarke JAR (Joseph Anton Reidler) aus dem Jahre 1749 – 1751. Am Beschlag der Kuppa im Kapitale ist eingraviert:“Johan.Mich. Mayer, gewest. Pfarrer in Neykierch 1753″.

Vortragekruzifix (aus Messingblech): vergoldet mit Christusbild (aus Messing) ebenfalls vergoldet, aus dem Jarh 1700.

14 Kreuzwegstationen: hergestellt im Jahre 1914 von der Kunstwerkst√§tte G√ľntert und N√§gele Sigmaringendorf.

 Abschließend sollen noch die 1980 vorhandenen vier Glocken verzeichnet werden:

1. Christk√∂nigsglocke: Sie tr√§gt die Inschrift:“Regi, cui omnia vivunt, venite adoremus“ – „Den K√∂nig, dem alles lebt, kommt la√üt uns anbeten“; 36 zentner, gegossen im Juni 1950 in Kochendorf.

2. Muttergottesglocke: Sie tr√§gt die Inschrift:“Regina pacis -Ora pro nobis“ – „K√∂nigin des Friedens, bitte f√ľr uns“; 10 zentner, gegossen im Juni 1950 in Kochendorf.

3. Wetterglocke: Sie trägt das Bild des hl. Papstes Silvester; 16 zentner, gegossen 1705 in Lindau. 1980 wurde der Glockenmantel erneuert.

4. Totenglocke: Sie tr√§gt die Inschrift: „Ad St. familiam“ – „Geweiht der hl. Familie“, 6 zentner, gegossen 1923 in Kochendorf. Sie musste am 20.02.1942 mit drei anderen Glocken abgeliefert werden und kehrte am 09.03.1948 wieder zur√ľck.

Verfasser: Eugen M√ľller (√ľbernommen aus der Festschrift der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzk√∂nigin)

Archäologische Untersuchungen in der Pfarrkirche St. Silvester in Neukirch

Die Au√üenstelle T√ľbingen des Landesdenkmalamtes Baden-W√ľrttemberg f√ľhrte vom 22.01.1979 bis zum 09.03.1979 bauarch√§ologische Untersuchungen in der Pfarrkirche St. Silvester durch. Anla√ü der Grabungen war ein Neubauprojekt der Kirchengemeinde, das den Abbruch des Kirchenschiffes vorsah. Zuvor durchgef√ľhrte baugeschichtliche Untersuchungen legten am aufgehenden Mauerwerk Baufugen frei, die R√ľckschl√ľsse auf einen reichhaltigen arch√§ologischen Befund zulie√üen. Die schriftlichen Quellen zur Fr√ľhgeschichte Neukirchs und seiner Pfarrgemeinde konnten dieser Vermutung nur teilweise st√ľtzen. Der Ort ist 1122 erstmals urkundlich belegt, die Nennung des Plebanus Cuno in Neukirch aus dem Jahr 1200 gibt einen ersten Hinweis auf die Existenz einer Kirche in Neukirch dessen Pfarrrei 1275 im Konstanzer Zehntregister Erw√§hnung findet.

Die Graubungsbefunde

Die arch√§ologische Untersuchung in der Pfarrkirche St. Silvester ergab einen wesentlich fr√ľheren Zeitansatz f√ľr den Beginn der Besiedlung, als es die urkundliche Quellenlage erwarten lie√ü. Zu den √§ltesten Grabungsfunden z√§hlen zwei fr√ľhmittelalterliche Bestattungen, die unter dem Fundament eines sp√§teren Kirchenbaues angetroffen wurden. Die Toten wurden mit seitlich am K√∂per ausgestreckten Armen beigesetzt. Das Fehlen von Beigaben, sowie die Ostung der Skelette sprechen eindeutig f√ľr eine christliche Bestattung. Ein zugeh√∂riger Kirchenbau konnte nicht ergraben werden. Lediglich eine Pfostengrube, die √∂stlich der Gr√§ber dokumentiert wurde, kann stratigraphisch der gleichen Zeit zugerechnet werden. Dieser Befund darf m√∂glicherweise als Hinweis auf eine fr√ľhmittelalterliche Holzkirche gewertet werden.

√úberlagert wird der √§lteste Befund von den Fundamenten einer kleinen Saalkirche. Erhalten war der westliche und s√ľdliche Mauerzug, im Norden war das Fundament unter dem aufgehenden Mauerwerk der gotischen Kirche ablesbar. Die Kirche war relativ klein, sie war im Innern 10m lang und etwa 5,5m breit. Das freigelegte Fundament bestand aus gro√üen Geschiebebl√∂cken, war unverm√∂rtelt und durchschnittlich 80cm breit. Es erscheint zweifelhaft, ob es einen Massivbau trug, weit eher d√ľrfte die √§lteste, eindeutig nachgewiesene Kirche ein Fachwerkbau mit Schwellfundament gewesen sein. Hinweise auf einen abgesetzen Chorraum konnten nicht entdeckt werden. Die Saalkirche wurde vermutlich im 10./11. Jahrhundert errichtet.

Abgel√∂st wurde die Fachwerkkirche von einem gr√∂√üeren, etwas nach S√ľden versetzten Massivbau mit eingezogenem quadratischen Chorraum. Das Kirchenschiff hat zwar die gleichen Abmessungen wie der Vorg√§ngerbau, doch verl√§ngert sich der Gesamtraum um 3,5 m durch den Rechteckchor. Die Ostbegrenzung der Fachwerkkirche wurde beim Neubau beibehalten. Das Fundament, ein Schalenmauerwerk aus gro√üen Schottern, ist zun√§chst als unverm√∂rteltes Trockenmauerwerk aufgesetzt worden, erst im √úbergangsbereich zum aufgehenden Mauerwerk wurden die Steinlagen verm√∂rtelt. Zwischen Kirchenschiff und Chor wurden die Reste eines Spannfundamentes freigelegt. Der Kirchenbau, von dem die Nordwand des Chores und die Nordostwand des Schiffes noch erhalten sind, entstand in der romanischen Epoche. An dieser Kirche wurde in sp√§tromanischer Zeit ein Kirchturm angebaut. Er bezieht die Nordwand des romanischen Rechteckchores sowie den Nortostteil des Kirchenschiffes ein. Deutlich sind im Turminnern¬† die Baufugen zwischen dem Anbau und der romanischen Kirche ablesbar. Das Erdgescho√ü des Turmes wurde urspr√ľnglich als Skristei genutzt und war mit einem Tonnengew√∂lbe geschlossen. Der Zugang¬† zum Turm erfolgte vom Chor aus durch eine T√ľr, die in H√∂he des ersten Obergeschossen durch die Chornordwand gebrochen wurde.

In gotischer Zeit wurde die romanische Kirche mit Ausnahme des Turmes niedergelegt und durch einen wesentlichen l√§ngeren und breiteren Neubau mit einem eingezogenen, unregelm√§√üigen Polygonalchor ersetzt. Zum Zeitpunkt der Untersuchung waren noch gro√üe Teile dieser Kirche erhalten, auch wenn nachfolgende Ver√§nderungen den ehemals gotischen Charakter des Bauwerkes kaum noch erkennen lie√üen. Unter dem Au√üenputz konnte auf die S√ľdseite ein zugesetzes gotisches Fenster mit Resten einer profilierten Sandsteinlaibung festgestellt werden, auch die Nordwand barg unter dem Putz Ans√§tze gotischer Fenster√∂ffnungen. Offensichtlich brannte dieser Kirche im Sp√§tmittelalter total aus. Ein mehrere Zentimeter starker Horizont aus Holzkohle und Asche lie√ü sich im gesamten Bereich des gotischen Schiffes nachweisen. Lediglich der Mittelgang und der Altarraum wiesen keine Brandspuren auf, da sie urspr√ľnglich mit Sandsteinplatten ausgelegt waren. Der genaue Zeitpunkt des Brandes l√§√üt sich noch nicht ermitteln, die Feinauswertung insbesondere der Fundm√ľnzen noch aussteht.

M√∂glicherweise war die Brandkatastrophe und die damit verbundene Renovierung auch Anla√ü der Verl√§ngerung des kirchenschiffes um 6,5m nach Westen, die 1750 erfolgte. Zumindest ist an die Erweiterung auch die Neugestaltung der gesamten Kirche in barockem Stil gebunden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein weiteren Befund mit dieser Bauma√ünahme im Zusammenhang gesehen werden muss. Im westlichen Teil des Chores, auf der Mittelachse vor den Hochaltarstufen, wurde die Bestattung eines Geistlichen freigelegt. Die Arme des Toten waren √ľber der Brust gekreuzt, in seiner linken Hand hielt er einen 15cm hohen Glaskelch.

Es war diese keineswegs die einzige Priesterbestattung in der Neukircher Kirche, doch zeichnet sich keine andere durch eine derart betonte Lage aus, so dass durchaus ein Zusammenhang zwischen einer gr√∂√üeren¬† Bauma√ünahme und dem Geistlichen¬† gesehen werden kann, dem nach seinem Tod eine bevorzugte Grabstelle zugestanden wurde, die den mittelalterlichen Stiftergr√§bern vergleichbar ist. Die Ergebnisse der bauarcheologischen Untersuchung in der Pfarrkirche St. Silvester in Neukirch erlauben die Feststellung, dass der Ort schon im Fr√ľhmittelalter besiedelt war. Die relative sp√§te urkundliche Nennung und insbesondere die eindeutige Beziehung des Ortsnamens auf die Kirche lassen vermuten, dass die Siedlung urspr√ľnglich einen anderen Namen trug und erst nach dem Bau der romanischen Kirche im 12. Jahrhundert sich nach dieser neuen Kirche benannte.

Verfasser – Erhard Schmidt (Inhalt wurde aus der Festschrift¬† zur Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzk√∂nigin √ľbernommen)

 

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