Neukirch

Seelsorgeeinheit Argental

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Neukirch

Pfarreigeschichte

Aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Neukirch

Wenn man in alten Chroniken und vergilbten Aufzeichnungen blättert, um nach Anhaltspunkten zur Entstehung der Pfarrgemeinde Neukirch zu suchen, fallen eine Vielfalt von Daten und Fakten auf, die als Zeichen einer interessanten geschichtlichen Entwicklung gewertet werden können. Da jedoch urkundliche Nachweise weithin fehlen, kann diese Abhandlung nur ein bescheidener Versuch sein, die geschichtliche Entwicklung aufzuhellen, um einer Ein- und Zuordnung vorhandener Erkenntnisse gerecht zu werden.

Ums Jahr 260 eroberten die Alemannen das bisher von den Römern seit dem Jahr 15 unter Tiberius besetzte Land vom Nordufer des Bodensees bis zur Schussen und östlich bis an die Laiblach im Raum Bregenz. Erst um das Jahr 746, als die Franken das Land der Alemannen erobert und die fränkische Verfassung eingeführt haben, kam es zur Bildung des „Argengaues“ und damit auch zu einer Erstbesiedelung unseres Raumes. Die fränkischen Könige setzten sogenannte „Gaugrafen“ als ihre Vertreter zur Verwaltung des Landes ein. Diese wiederum gaben ihre Rechte im 8. und 9. Jahrhundert an die „Königsfreien“, das waren meist altgediente Soldaten aus denen sich in späteren Jahrhunderten die Ritter des Mittelalters entwickelten, weiter. Diese Erstbesiedelung im Argengau ist wohl auch die Ansiedelung Neukirch zuzuordnen, obwohl nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden kann, ob der im Jahre 837 genannte Kirchort „Sconinperac“ (Schönenberg) mit der späteren Ansiedlung Neukirch identisch ist. Die Vermutung spricht jedoch dafür, weil in einer im Kloster St. Gallen verwahrten Urkunde vom 09.08.837 (in lateinischem Text) „ein Prister Meginbreth in Anwesenheit von 25 Zeugen seinen ganzen Besitz zu Sconinperac (Schönenberg) an das Kloster St. Gallen überträgt“ und bis heute von den Geschichtsforschern kein Ort „Sconinperac“ (Schönenberg) im ganzen Argengau ausfindig gemacht werden konnte. Auch die archeologischen Untersuchungen in der alten Pfarrkirche St. Silvester, die vom 22.01.bis 09.03.1979 durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, bestätigen die Vermutung, dass eine frühmittelalterliche Holzkirche bestanden hat. Auf den folgenden Bericht von Konservator Schmidt darf besonders hingewiesen werden. Schließlich kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die frühchristliche Kirche schon zum Gewand „Kirchbühl“ gehört hat. Urkundlich erwähnt finden wir den Ortsnamen „Neukirch“ erstmals in einer Urkunde vom 06.01.1122, die im Kloster Allerheiligen in Schaffhausen (Schweiz) verwahrt wurde und zwar unter dem Namen „Niwenchilichun“. Nach dieser Urkunde stiftete Ritter Arnold und seine Gemahlin Juncela die Zelle Hiltensweiler dem Kloster Allerheiligen. Hierbei wirkte u.a. ein „Ruothart de Niwenchilichun“, ein Heremannus und sein Bruder Ruodolfus de Langense“ und ein Heribortus und sein Bruder Adalberto de Berenriet“, sowie ein „Werner de Flunova“ mit. Im Jahre 1150 entdeckt man den Namen „Nuwenkirchen“ in einer Güterbeschreibung des Klosters Allerheiligen. Dort ist erwähnt, dass im Jahre 1112 ein „Conrat zu Nuwenkirchen“ gelebt hat, von dem das Kloster ums Jahr 1100 Grundbesitz erworben hat. Ums Jahr 1200 wird sodann von einem „Pleban cuno von Neukirch“ (einem Volkspriester) berichtet, , der dem Kloster Weissenau einen Hof übertrug, den ihm ein Ritter „Friedrich von Baumgarten“ abwarb.

Bei den zur Verfügung stehenden wenigen Urkunden hängt es vom reinen Zufall ab, wenn eine in unserer Gegend vor dem Jahre 1275 ausdrücklich genannt wird. Tatsächliche Nennungen lassen deshalb auch keine genauen Rückschlüsse über die wirkliche Zeit der Gründung einer Pfarrei oder den Bau einer Kirche zu. Ebenso wenig ist feststellbar, auf welche Inititative die Gründung unserer Pfarrei selbst zurückgeht. Sicher ist nur die Zugehörigkeit der Pfarrei Neukirch zur Diözese Konstanz.  Dies entnehmen wir aus einer Übersicht des Konstanzer „Liber-decimationis“ von 1275 (Zehntregister), welches ausweist, dass zum Dekanat Ebratshofen (später Lindau) nachstehende Pfarreien gehört haben: Neukirch, Wildpoltsweiler, Goppertsweiler, Haslach, Hiltensweiler, Primisweiler, Tannau, Eisenbach, Krumbach und Langenargen. Besonders gut müssen die Einnahmen dieser Pfarreien allerdings nicht gewesen sein, denn sie erreichten die unterste Steuergrenze nicht und waren deshalb steuerfrei. Aus dem bischöflichen „Liber-taxationis evoleriarum et benefiorium diveori Constanoiesnsi“ (eine Art Gebührenverzeichnis) von 1353 wissen wir vom Bestehen der Pfarrei Neukirch zu welcher ca. 20 Anwesen gehört haben sollen. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass der Anlegung des „Liber-taxationis“ von 1353 die schwere Heimsuchung durch die Pest vorangegangen war, der Teile der Bevölkerung (oft bis zu einem Drittel) zum Opfer fielen. 1389 kam der Ort Neukirch dann an das Spital Lindau. Eine interessante Entdeckung konnte aber in der Pfarrchronik des Jahres 1914 entdeckt werden: Als der Marienalter anläßlich der durchgreifenden Renovation abgebrochen wurde, fand man im Sepulcrum ein Glas mit Reliquien und dem Sigel des Weihbischofs Georgius Sigimundus Müller Episcpus Heliopolitanus, der von 1655 bis 1686 in Konstanz gewirkt hat und in dieser Zeit (vermutlich um 1665) die Kirche und den Altar in Neukirch geweiht hat.

In den nachfolgenden Zeitabschnitten gehörte Neukirch zur Grafschaft Monfort, welche durch fortwährende Teilungen immer  mehr abgeschwächt wurde. Mit Graf  Ulrich starb 1574 die Tettnang Linie der Grafen von Montfort aus. Ihr folgte nach langen Prozessen die Bregenzer Linie der Grafen von Montfort, denen aber nicht mehr Glück und Erfolg beschieden war. Die Folgen des 30jährigen Krieges machten sich finanziell bemerkbar, eine Hungersnot trat ein und wiederum wütete die Pest. Nach dem 30jährigen Kriege war das Montfortsche Gebiet so zerstört, dass der Chronist vermerkte „es sey in dem ganzen Schwäbischen Krays kam ein Orth übler verderbt worden“.

Die Grafen von Montfort mussten dann im Laufe der Zeit einen großen Teil der ursprünglichen Grafschaft verkaufen. Zu Beginn des 18. Jahrhundert bestand sie nur noch aus drei Herrschaften: Tettnang, Argen und Schomburg. Die Herrschaft Tettnang war Reichslehen und umfasste nur noch die Stadt Tettnang, das Landwaiblelamt, das Montfortsche Amt Neukirch (seit 1550), das Kloster Langnau und das Amt Hemigkofen (Kressbronn). DieVerschuldung des Montfortschen Geschlechts wurde immer größer, bedingt durch den Wiederaufbau des am 11.11.1753 durch Brand vernichteten Neuen Schl0sses in Tettnang, so dass dem Grafen Franz Xaver und seinem Bruder Anton IV. nichts andere übrig blieb, als alle drei Herrschaften am 14.08.1779 an Österreich zu verkaufen. Schon kurz darauf, am 24.03.1780, starb Graf Franz Xaver. Mit dem Tode seines Bruder Graf Anton am 03.12.1787 erlöschte auch das Geschlecht der Tettnanger Grafen von Montfort. Österreich vereinigte die drei Montfortschen Herrschaften zusammen mit der Herrschaft Wasserburg, welche es 1755 von den Fuggern gekauft hatte, zum Oberamt Tettnang. Nach dem Preßburger Frieden vom 26.12.1805 wurde die Herrschaft Tettnang mit Wasserburg an Bayern zugesprochen. Da auch die Reichsstadt Buchhorn im Jahre 1802 an Bayern fiel, wurde sie zusammen mit der Herrschaft Argen zum „Bayerischen Landgericht Tettnang“ vereinigt. Nur fünf Jahre dauerte die Zugehörigkeit zu Bayern. Durch den Pariser Vertrag von 18.05.1810 fiel die Grafschaft an Württemberg. Dieses errichtete das Oberamt Tettnang mit zwei Städten und 12 Gemeinden (Schultheissereien), unter denen sich auch Neukirch und Flunau befanden. Mit der Bildung der Diözese Rottenburg im Jahre 1828 erfolgte die Loslösung der jahrhundertealten Zugehörigkeit zum Bistum Konstanz.

Als im Jahre 1937 die Zahl der Gemeinden im Kreis Tettnang reduziert wurde, entstand die neue Gemeinde Neukirch mit 32 Wohnplätzen und 1719 Einwohnern. Sie gliedert sich in die Pfarrgemeinden Neukirch, Wildpoltsweiler und Goppertsweiler; drei weitere Wohnplätze gehören zur Pfarrgemeinde  Haslach und Krumbach. Zur Pfarrgemeinde Neukirch gehören die Wohnplätze Bechenhütten, Bernried, Flunau, Hinterressach, Landolz, Mehetsweiler, Neuhaus, Neukirch, Reisenbronn, Sackweiher, Unterlangensee (Ost) und Vorderessach.

Bei der Gebietsreform 1972 wurde der Landkreis Tettnang aufgelöst und mit Teilen des Kreises Überlingen ab 01.01.1973 zum neuen Bodenseekreis mit dem Kreissitz in Friedrichshafen vereinigt.

Die Gemeinde Neukirch konnt in der hierauf folgenden Gemeindereform ihre politische Selbstständigkeit erhalten. Die frühere einseitige bäuerliche Struktur wurde durch die Ansiedelung zweier Industriebetriebe und gezielter Förderung des Fremdenverkehrs verbreitert. So stellt die Gemeinde Neukirch 1980 ein blühendes Gemeinwesen dar und hatte im Jahr 1979 durch intensive Bautätigkeit die 2000 – Einwohnergrenze überschritten. 

Die alte Pfarrkirche St. Silvester von Neukirch

Vor der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin stand bis 1979 die alte Pfarrkirche St. Silvester. Die Pfarrkirche war dem heiligen Papst Silvester (314-335) geweiht. Weshalb gerade er Kirchpatron wurde, ist bislang nicht bekannt.

Inmitten des alten Friedhofes gelegen, von Pfarrhaus, Kaplaneihaus umgeben und in nächster Nachbarschaft zu Rathaus und Schule gelegen, stand gleichsam  als dominierender Mittelpunkt die Pfarrkirche St. Silvester. An das etwas niedrigere Kirchenschiff in rechteckiger äußerer Form, schloss sich der eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor, dessen Achse erheblich nach Süden abgewichen ist, an. An der Nordseite des Schiffes war der verhältnismäßig hohe Kirchturm angebaut, der gleichsam wie ein Fingerzeig Gottes das Dorfbild prägte. Der Turm war sehchs Geschoßzonen und weisst schmale rundbogige, wahrscheinlich aus der spätromanischen Zeit stammende Luken und vier rundbogige, barocke Schallöffnungen auf. Zum Chor führt eine kleine Rundbogentür aus dem Turmerdgeschoß mit Tonnengewölbe und dürfte in früheren Jahrhunderten als Sakristei gedient haben. Das Kirchenschiff wurde von einer flachen Decke über Hohlkehlen abgeschlossen. Auf der Ostseite des Schiffes schloß sich der tonnengewölbte Chor mit einer Rundbogenöffnung an, der seit 1958 nur noch um eine Stufe (gegenüber dem Schiff) erhöht war. Von zwei Holzsäulen gestütz, befand sich im Westteil des Schiffes die Orgelempore, deren klassizistische Brüstung den Orgelprospekt, der im Jahre 1914 nru beschafften Orgel von den Gebrüdern Späth in Ennetach, mit 12 Registern, mit einbezog. Das Kirchenschiff hatte an den Längswänden fünf flachbogige Fenster und je eine Eingangstüre. Der Haupteingang befand sich unter einem Vordach an der Westseite der Kirche. Über dem Eingang befanden sich zwei kleine, hochelliptische Fenster, ein gleiches auch im Giebel. Das Innere und das Äußere der Kirche wurden mehrfach restauriert. Nach der Barockisierung des Innenraumes im Jahre 1750 können die Renovationen der Jahre 1865, 1914, 1947 und 1958 als die bedeutendsten angesehen werden. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es sich die Pfarrangehörigen immer wieder zur Aufgabe gemacht haben, das Gotteshaus in würdigem Zustand zu erhalten.

Nach diesen Ausführungen zum Baukörper der Kirche, sol auch deren Ausstattung beschrieben werden. Dies ist vor allem auch deshalb notwendig, weil in den bisherigen Veröffentlichungen und Beschreibungen teilweis auseinandergehende Meinungen über deren Herkunft und Bedeutung, vor allem der Gemälde vertreten wurde. Im einzelnen ist folgendes festzustellen:

1. Hochalter:  Der Hochalter wurde 1865 von Kunstmaler Egger aus Vogt unter Verwendung älterer Teile zusammengestellt. Egger hat im selben jahr auch die Kirchendecke renoviert. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Hochaltar wieder das frühere  Altarbild „Maria Rosenkranzkönigin“, welches im Jahr 1780 von Andreas Brugger gemalt wurde. Kunstmaler Brugger hat in unserer Gegend in verschiedenen Schlössern und Kirchen, so u.a. auch in den Klöstern Weissenau und Salem, in der Stiftskirche in Buchau und im Neuen Schloß in Tettnang gearbeitet. Er war ein Schüler des berühmten Spätbarockmalers Franz Anton Maulbertsch.Bisher gab es verschiedene Ansichten darüber, welche aszetische Mönchsgestalt auf dem Rosenkranzbild dargestellt ist. Nach jetzigen Erkenntnissen handelt es sich um den hl. Kajetan von Tiene (1480-1547) dem Gründer des Theatinerordens (1524).

Er war ein glühender Marienverehrer, Prediger und Seelsorger, der Klerus und Volk eindringlich zu einer religiös-sittlichen Erneuerung aufrief. Die Erkenntnis, dass es sich um den heiligen Kajetan handelt, beruht in erster Linie auf der aus dem Jahr 1719 stammenden Urkunde über die Stiftung einer „ewigen Bruderschaftskaplaneipfründe“ in Neukirch durch Graf Anton von Montfort und seiner Gemahlin Maria Anna geb. Gräfin von Thum. In dieser Urkunde wurde der Inhaber der Kaplaneistelle verpflichtet, wöchtentlich zwei heilige Messen zu lesen und zwar zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariens und des heiligen Kajetan. Der Kaplan wurde außerdem angewiesen, die „Bruderschaft des himmelblauen Skapuliers“ (Bestandteil der Ordensbekleidung) zu erhalten und zu fördern. Die Stiftungsunkunde befindet sich  heute noch im Pfarramt Neukirch und trägt als Bestätigung  der Stiftung das Siegel des Bischofs von Konstanz vom 16.01.1720. Das Hochaltarbild wurde mehrfach ausgewechselt. Seit der Renovation 1947 befand sich am Hochaltar das von Kunstmaler August Braun in Wangen gemalte Altarbild mit der Darstellung von Jesus Christus, der Gottesmutter mit Kind, dem hl. Papst Silvester und der oberschwäbischen Seligen Guten Beth.

2. Linker Seitenaltar (Marienaltar): Auch dieser Seitenaltar wurde 1865 von Kunstmaler Egger restauriert. Wertvollster Teil diese Nebenaltars war das Altarblatt „Verherrlichung Mariens“, welch im Schrifttum immer wieder mit dem Zusatz  „durch den seligen Johann von Montfort“ versehen war. Es wurde 1718 von dem Barockmaler Johann Gabriel Roth gemalt. Er hat bedeutende Werke im Kisslegger Schl0ß um im Kloster Weissenau geschaffen. Die Annahme, dass es sich um den „seligen Johann von Montfort“ handelt, ist wohl darauf zurückzuführen, dass in der untersten Ecke des Gemäldes das Wappenbild der Grafen von Montfort angebracht war. Das Wappen deutet aber sicher  auf die Stiftung des Altars durch Graf Anton von  Montfort und seiner Gemahlin Maria geb. Thum, anläßlich der Errichtung der Kaplaneistelle im Jahre 1719 hin, dessen Altarblatt die „Verherrlichung Mariens“ darstellte. Übrigens hat Kunstmaler Brugger den sel. Johannes von Montfort im Jahre 1770 in der Schloßkapelle in Tettnang als „Kreuzfahrer in voller Rüstung, hoch zu Roß“ gemalt. Das neu restaurierte Altarblatt sollte vielmehr folgende Bezeichnung erhalten: “ Verherrlichung Mariens durch den hl. Kajetan von Tiene und Übergabe des blauen Skapuliers von der unbefleckten Empfängnis Mariens an die selige Ursula Benincasa von Neapel“.

Die seelige Ursula Benincasa (1547-1618) hat den Orden der Theatinerinnen und der Theatinereinsiedlerinnen zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariens gegründet. Das himmelblaue Skapulier wurd den beiden Orden in den Jahren 1691 und 1710 kirchlich approbiert. Übrigens soll ihr auf nach Aufzeichnungen in der alten Pfarrchronik von Neukirch die Mutter Gottes erschienen sein und ihr dabei das blaue Skapulier übergeben haben. Wie bereits erwähnt, bestand in Neukirch in der Tat eine „Skapulierbruderschaft des himmelblauen Skapuliers“ und die Pfarrchronik weiss zu berichten, dass sogar der damalige Abt des Klosters Weissenau in diese Bruderschaft neben anderen Adeligen, Klosterfrauen und Patres, aufgenommen wurde.

Etwa hundert Jahre nach Gründung  der Skapulierbruderschaft wurde an deren Stelle im Jahre 1681 die „Rosenkranzbruderschaft“ errichtet. Hierbei soll nach Aufzeichnungen in der Pfarrchronik „über dieses Gemälde ein neues auf Leinwand aufgezogen worden sein, die Unbefleckte Jungfrau und Rosenkranzkönigin darstellend mit den Bildern der drei Rosenkränze, welches im Chor angebracht war“. Unzweifelhaft handelt es sich hier um das Altarblatt des Hochaltars „Maria Rosenkranzkönigin“ aus dem Jahre 1780, das später wieder abgelöst und restauriert wurde. Das Altarblatt des linken Nebenaltars „Verherrlichung Mariens“ wurde anläßlich einer anderen Restaurierung  teilweise übermalt, die erst jetzt entdeckt und wieder beseitigt wurde, so dass das Gemälde seine ursprüngliche Fassung wieder erhalten hat.

3. Rechter Seitenaltar (Sebastiansaltar): Dieser Seiutenaltar wurde ebenfalls von Kunstmaler Egger anno 1865 erneuert. Das Altarbild stellt in verkröpftem Halbkreisbogen den heiligen Sebastian dar und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es war nicht feststellbar, welcher Künstler dieses Gemälde geschaffen hat.

4. Kanzel: Die neue Kanzel wurde 1865 anläßlich der großen Kirchenrenovation vom seinerzeitigen Pfarrer Carl Molitor gestiftet und ebenfalls vom Kunstmaler Egger gefertigt. Das sie krönende Engelskind stammte aus 1.Hälfte des 18. Jahrhunderts.

5. Gestühl und Beichtstuhl:  Beides stammen aus dem 18. und 19 Jahrhundert.

6. Holzbildwerke: Die alte Pfarrkirche St. Silvester war reich an Bildhauer-Arbeiten. Sie wurden alle restauriert und werden in der neuen Kirche wieder aufgestellt, da es auch in unserer Zeit mehr als notwendig ist, Alt-Ehrwürdiges zu bewahren. Es handelt sich um alte Werke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum 18. Jahrhundert, ausgenommen die Figur des heiligen Mauritius, die aus der Zeit der letzten Kirchenrenovation stammt. Im einzelene befanden sich am Hochaltar: Hl. Josef und hl. Johannes der Täufer; am Marienaltar: Hl Mauritius und hl. Florian und am Sebastiansaltar: Hl Agatha und hl Katharina. Auch die weiteren wertvollen Holzbildwerken sind vorhanden und schmücken auch den neuen Kirchenraum: Barockmadonna mit Jesuskind, Krone, Zepter Muttergottes inm Strahlenkranz, Schmerzensmutter, Hl. Nepomuk, Hl. Antonius, Hl. Wendelin, Chorbogenkreuz, Standkruzifix und hl Maria Magdalena. Auch diese Arbeiten stammen weitgehend aus dem 17. und 18 Jahrhundert, mit Ausnahme der Statuen des hl. Antonius und des hl. Wendelin, welche neueren Ursprungs sind. Eine Ausnahme bildet die Bildhauerarbeit der „Schmerzensmutter“. Sie ist ein bisher unentdeckt gebliebenes Werk, vermutlich aus dem Jahre 1500, von hohem künstlerischem Wert, beeindruckender Schönheit und Ausdruckskraft.

Diese Abhandlung wäre unvollständig, wenn hier nicht noch auf einige besonders wertvolle kirchliche Gegenstände hingewiesen würde:

Strahlenmonstranz (aus Kupfer): vergoldet, 66 cm hoch, mit auf dem Fuß aufgesetzten Engelsköpfen. Vor dem Strahlenkranz ist ein weiß-silberner Akanthus mnit den Reliefs der Großmutter und zweier Heiliger angebracht. Die Monstranz stammt aus dem Jahre 1700.

Strahlenmonstranz (aus Kupfer): vergoldet, 64 cm hoch. Schlicht und einfach, aus dem Jahre 1800 stammend.

Silberkelch: teilvergoldet mit Rocailleschmuck hergestellt. Der Kelch trägt die Meistermarke JAR (Joseph Anton Reidler) aus dem Jahre 1749 – 1751. Am Beschlag der Kuppa im Kapitale ist eingraviert:“Johan.Mich. Mayer, gewest. Pfarrer in Neykierch 1753″.

Vortragekruzifix (aus Messingblech): vergoldet mit Christusbild (aus Messing) ebenfalls vergoldet, aus dem Jarh 1700.

14 Kreuzwegstationen: hergestellt im Jahre 1914 von der Kunstwerkstätte Güntert und Nägele Sigmaringendorf.

 Abschließend sollen noch die 1980 vorhandenen vier Glocken verzeichnet werden:

1. Christkönigsglocke: Sie trägt die Inschrift:“Regi, cui omnia vivunt, venite adoremus“ – „Den König, dem alles lebt, kommt laßt uns anbeten“; 36 zentner, gegossen im Juni 1950 in Kochendorf.

2. Muttergottesglocke: Sie trägt die Inschrift:“Regina pacis -Ora pro nobis“ – „Königin des Friedens, bitte für uns“; 10 zentner, gegossen im Juni 1950 in Kochendorf.

3. Wetterglocke: Sie trägt das Bild des hl. Papstes Silvester; 16 zentner, gegossen 1705 in Lindau. 1980 wurde der Glockenmantel erneuert.

4. Totenglocke: Sie trägt die Inschrift: „Ad St. familiam“ – „Geweiht der hl. Familie“, 6 zentner, gegossen 1923 in Kochendorf. Sie musste am 20.02.1942 mit drei anderen Glocken abgeliefert werden und kehrte am 09.03.1948 wieder zurück.

Verfasser: Eugen Müller (übernommen aus der Festschrift der Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin)

Archäologische Untersuchungen in der Pfarrkirche St. Silvester in Neukirch

Die Außenstelle Tübingen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg führte vom 22.01.1979 bis zum 09.03.1979 bauarchäologische Untersuchungen in der Pfarrkirche St. Silvester durch. Anlaß der Grabungen war ein Neubauprojekt der Kirchengemeinde, das den Abbruch des Kirchenschiffes vorsah. Zuvor durchgeführte baugeschichtliche Untersuchungen legten am aufgehenden Mauerwerk Baufugen frei, die Rückschlüsse auf einen reichhaltigen archäologischen Befund zuließen. Die schriftlichen Quellen zur Frühgeschichte Neukirchs und seiner Pfarrgemeinde konnten dieser Vermutung nur teilweise stützen. Der Ort ist 1122 erstmals urkundlich belegt, die Nennung des Plebanus Cuno in Neukirch aus dem Jahr 1200 gibt einen ersten Hinweis auf die Existenz einer Kirche in Neukirch dessen Pfarrrei 1275 im Konstanzer Zehntregister Erwähnung findet.

Die Graubungsbefunde

Die archäologische Untersuchung in der Pfarrkirche St. Silvester ergab einen wesentlich früheren Zeitansatz für den Beginn der Besiedlung, als es die urkundliche Quellenlage erwarten ließ. Zu den ältesten Grabungsfunden zählen zwei frühmittelalterliche Bestattungen, die unter dem Fundament eines späteren Kirchenbaues angetroffen wurden. Die Toten wurden mit seitlich am Köper ausgestreckten Armen beigesetzt. Das Fehlen von Beigaben, sowie die Ostung der Skelette sprechen eindeutig für eine christliche Bestattung. Ein zugehöriger Kirchenbau konnte nicht ergraben werden. Lediglich eine Pfostengrube, die östlich der Gräber dokumentiert wurde, kann stratigraphisch der gleichen Zeit zugerechnet werden. Dieser Befund darf möglicherweise als Hinweis auf eine frühmittelalterliche Holzkirche gewertet werden.

Überlagert wird der älteste Befund von den Fundamenten einer kleinen Saalkirche. Erhalten war der westliche und südliche Mauerzug, im Norden war das Fundament unter dem aufgehenden Mauerwerk der gotischen Kirche ablesbar. Die Kirche war relativ klein, sie war im Innern 10m lang und etwa 5,5m breit. Das freigelegte Fundament bestand aus großen Geschiebeblöcken, war unvermörtelt und durchschnittlich 80cm breit. Es erscheint zweifelhaft, ob es einen Massivbau trug, weit eher dürfte die älteste, eindeutig nachgewiesene Kirche ein Fachwerkbau mit Schwellfundament gewesen sein. Hinweise auf einen abgesetzen Chorraum konnten nicht entdeckt werden. Die Saalkirche wurde vermutlich im 10./11. Jahrhundert errichtet.

Abgelöst wurde die Fachwerkkirche von einem größeren, etwas nach Süden versetzten Massivbau mit eingezogenem quadratischen Chorraum. Das Kirchenschiff hat zwar die gleichen Abmessungen wie der Vorgängerbau, doch verlängert sich der Gesamtraum um 3,5 m durch den Rechteckchor. Die Ostbegrenzung der Fachwerkkirche wurde beim Neubau beibehalten. Das Fundament, ein Schalenmauerwerk aus großen Schottern, ist zunächst als unvermörteltes Trockenmauerwerk aufgesetzt worden, erst im Übergangsbereich zum aufgehenden Mauerwerk wurden die Steinlagen vermörtelt. Zwischen Kirchenschiff und Chor wurden die Reste eines Spannfundamentes freigelegt. Der Kirchenbau, von dem die Nordwand des Chores und die Nordostwand des Schiffes noch erhalten sind, entstand in der romanischen Epoche. An dieser Kirche wurde in spätromanischer Zeit ein Kirchturm angebaut. Er bezieht die Nordwand des romanischen Rechteckchores sowie den Nortostteil des Kirchenschiffes ein. Deutlich sind im Turminnern  die Baufugen zwischen dem Anbau und der romanischen Kirche ablesbar. Das Erdgeschoß des Turmes wurde ursprünglich als Skristei genutzt und war mit einem Tonnengewölbe geschlossen. Der Zugang  zum Turm erfolgte vom Chor aus durch eine Tür, die in Höhe des ersten Obergeschossen durch die Chornordwand gebrochen wurde.

In gotischer Zeit wurde die romanische Kirche mit Ausnahme des Turmes niedergelegt und durch einen wesentlichen längeren und breiteren Neubau mit einem eingezogenen, unregelmäßigen Polygonalchor ersetzt. Zum Zeitpunkt der Untersuchung waren noch große Teile dieser Kirche erhalten, auch wenn nachfolgende Veränderungen den ehemals gotischen Charakter des Bauwerkes kaum noch erkennen ließen. Unter dem Außenputz konnte auf die Südseite ein zugesetzes gotisches Fenster mit Resten einer profilierten Sandsteinlaibung festgestellt werden, auch die Nordwand barg unter dem Putz Ansätze gotischer Fensteröffnungen. Offensichtlich brannte dieser Kirche im Spätmittelalter total aus. Ein mehrere Zentimeter starker Horizont aus Holzkohle und Asche ließ sich im gesamten Bereich des gotischen Schiffes nachweisen. Lediglich der Mittelgang und der Altarraum wiesen keine Brandspuren auf, da sie ursprünglich mit Sandsteinplatten ausgelegt waren. Der genaue Zeitpunkt des Brandes läßt sich noch nicht ermitteln, die Feinauswertung insbesondere der Fundmünzen noch aussteht.

Möglicherweise war die Brandkatastrophe und die damit verbundene Renovierung auch Anlaß der Verlängerung des kirchenschiffes um 6,5m nach Westen, die 1750 erfolgte. Zumindest ist an die Erweiterung auch die Neugestaltung der gesamten Kirche in barockem Stil gebunden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein weiteren Befund mit dieser Baumaßnahme im Zusammenhang gesehen werden muss. Im westlichen Teil des Chores, auf der Mittelachse vor den Hochaltarstufen, wurde die Bestattung eines Geistlichen freigelegt. Die Arme des Toten waren über der Brust gekreuzt, in seiner linken Hand hielt er einen 15cm hohen Glaskelch.

Es war diese keineswegs die einzige Priesterbestattung in der Neukircher Kirche, doch zeichnet sich keine andere durch eine derart betonte Lage aus, so dass durchaus ein Zusammenhang zwischen einer größeren  Baumaßnahme und dem Geistlichen  gesehen werden kann, dem nach seinem Tod eine bevorzugte Grabstelle zugestanden wurde, die den mittelalterlichen Stiftergräbern vergleichbar ist. Die Ergebnisse der bauarcheologischen Untersuchung in der Pfarrkirche St. Silvester in Neukirch erlauben die Feststellung, dass der Ort schon im Frühmittelalter besiedelt war. Die relative späte urkundliche Nennung und insbesondere die eindeutige Beziehung des Ortsnamens auf die Kirche lassen vermuten, dass die Siedlung ursprünglich einen anderen Namen trug und erst nach dem Bau der romanischen Kirche im 12. Jahrhundert sich nach dieser neuen Kirche benannte.

Verfasser – Erhard Schmidt (Inhalt wurde aus der Festschrift  zur Pfarrkirche St. Maria Rosenkranzkönigin übernommen)

 

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