Seelsorgeeinheit Argental

Seelsorgeeinheit Argental

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SE Argental

Zeitungsartikel: Pfarrer Macho verlässt das Argental

Abschied vom “prallen Leben eines Dorfpfarrers”

Neun Jahre lang wirkte er in den Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit. Jetzt tritt er die Reise in seine neue, aber auch selbstgewählte priesterliche Heimat an. Pfarrer Andreas Macho sagt am kommenden Sonntag in Laimnau und in Neukirch offiziell “Auf Wiedersehen”. Auf seine Art. Mit Gottesdiensten, mit Möglichkeiten der Begegnung – “ohne Litanei von Nachrufen”.

NEUKIRCH/ARGENTAL (sz) “Ich wünsche Dir ein Ende mit Verabschiedungen und keine Verabschiedungen ohne Ende” – Worte, die gestern per E-Mail im Neukircher Pfarrhaus eingegangen sind. Worte seines neuen direkten Vorgesetzten, Pius Angstenberger. Der leitet das Dekanat Ostalb, wo Andreas Macho seine Bibel aufschlagen wird. Genau gesagt in der Seelsorgeeinheit “Vorderes Härtsfeld/Oberes Kochertal”. Die ist mit 11000 Gemeindemitgliedern fast doppelt so groß wie seine bisherige Heimat – die Seelsorgeeinheit Argental.

Andreas Macho verlässt das Pfarrhaus der Neukircher Pfarrgemeinde mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge. Weinend, “weil ich das pralle Leben eines Dorfpfarrers zu schätzen gelernt habe”. Weil er gewachsene Beziehungen hinter sich lässt. Er verlässt Neukirch mit einem lachenden Auge, “weil der innere Ruf nach Veränderung nicht nur immer lauter wurde”, sondern weil der scheidende Priester weiß, dass mit Pfarrer Caxilé “die Nachfolge gesichert ist”. Das ist nicht selbstverständlich. In Zeiten des Priestermangels, in denen ausgeschriebene Pfarrstellen in der Diö-zese vermehrt unbesetzt bleiben. Der Neukircher Kirchengemeinde bleibt über das strategische Handeln von Andreas Macho das leerstehende Pfarrhaus erspart. “Mit Pfarrer Caxilé – da konnte uns nichts Besseres passieren”, meint der Priester.

Apropos “pralles Leben eines Dorfpfarrers”: Es war zunächst einmal davon geprägt, “dass man auf dem Land das Privatleben und die priesterliche Berufung nicht trennen kann”. Das liege daran, dass man in Freud und Leid mit den Bürgern zusammenlebe. Das reiche von der Taufe bis zur Beerdigung. “Man ist immer dabei, macht nicht einfach nur Dienst nach Vorschrift, sondern handelt aus innerer Glaubenskraft.” Die belastenden Dinge, die starken Kontraste zwischen Freude und Leid, die täglich in einem priesterlichen Leben aufeinander prallen, “denen konnte ich bei Gott Platz geben”, meint der Priester, der sein Amt immer auch eng mit der Notwendigkeit von Seelsorge definiert hat.

Wenn Andreas Macho seine Koffer packt, dann weiß er, dass er viel in der Seelsorgeeinheit erreicht hat. “Es war mir immer ein Anliegen, die Freude am Glauben selbst zu leben und weiterzugeben.” Das hat er bei Jung und Alt gespürt. “In lebendigen Gottesdiensten, in den verschiedensten Kontakten und Lebenslagen.” Das Religiöse, das Spirituelle spiele in der Seelsorgeeinheit eben doch noch eine größere Rolle, meint Andreas Macho im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Erreicht beziehungsweise erlebt hat der Priester, der vor neun Jahren zusammen mit seinem Freund (dem heutigen Dekan Reinhard Hangst) ins Argental gekommen ist, auch das “Zusammenführen der acht Kirchengemeinden zu einer Seelsorgeeinheit. Die steht nicht nur auf dem Papier, sie lebt auch im Bewusstsein der einzelnen Gemeindemitglieder.” Priesterliches Resümee: “Da ist viel zusammengewachsen, was vorher nicht da war – auch weil ein harmonierendes pastorales Team dahinter steckt.” Macho verteilt großzügig Worte des Dankes. Erster Adressat ist der Dekan selbst.

Problem: Gottesdienstbesuch

Andreas Macho hat innerhalb der Seelsorgeeinheit viel erreicht – manches nicht. “Der Gottesdienstbesuch bricht herunter”, beklagt sich der Priester. Und kündigt in diesem Zusammenhang “große Veränderungen” an. Es werde in der Zukunft nicht mehr Gottesdienste in jeder Kirche geben. Nicht aus Gründen des Priestermangels, sondern wegen nachlassendem “praktiziertem Glauben”. Die Jugend fehle teils komplett. Andreas Macho appelliert dafür, “nicht traurig zu sein und zu resignieren”. Antworten darauf, müsse die Kirche aber schon finden. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Worte des Bischofs. Man müsse weg von der traditionellen Volkskirche – und hin zur “missionarischen Kirche im Volk”. Auch für Andreas Macho keine Frage: “Wir müssen uns auf geistige Zentren konzentrieren.”

Katholisch sein in Zeiten des schnellen gesellschaftlichen Wandels, ” das ist oft nur noch eine Floskel”. Andreas Macho konstatiert, “dass heute vieles an katholisch mitgeschleppt wird, was nicht aufrichtig ist, weil es nur noch eine nach außen zelebrierte Form ohne Inhalt ist”.

Andreas Macho wirkt bald in Oberkochen. Investitur ist schon an Pfingsten. Er geht zuversichtlich. “Was daraus wird, wird man sehen.” Freilich, “ich gehe meine neue Aufgabe mit viel Gottvertrauen an”.

Text: Mayer, Alexander: Abschied vom “prallen Leben eines Dorfpfarrers”; erschienen in: Schwäbische Zeitung, Lokalteil Tettnang, Ausgabe vom 07.05.2009.

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